Was ist los?

ElektroHeldinnen: Neue Initiative stärkt Frauen in der Elektrobranche

· ⏱ 3 min

Kick-off-Runde der Initiative ElektroHeldinnen auf der Light + Building 2026
Quelle: Katrin Wolff

Die Initiative "ElektroHeldinnen" will Frauen in der Elektrobranche sichtbarer machen, sie stärker vernetzen und mehr Mädchen für technische Berufe begeistern. Das Netzwerk soll Austausch ermöglichen, Vorbilder sichtbar machen und zeigen, wie vielfältig die Karrierewege in Elektrotechnik, Gebäudeautomation, Industrie, Großhandel und Handwerk sind. Nach der Begrüßung durch zwei der Initiatorinnen, Kathrin Aehling (Schneider Electric) und Annika Egloff-Schoenen (Fachverlag Arnold), bildete eine Keynote von Sarah Bäumchen den Auftakt. Sie wies auf strukturelle Hürden und gesellschaftliche Rollenbilder hin. Viele Frauen hätten noch immer das Gefühl, sich im Berufsalltag stärker beweisen zu müssen – ein Eindruck, der sich später auch in den persönlichen Erfahrungsberichten widerspiegelte.

Diversität als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor

Im Zentrum der Veranstaltung stand eine Panel-Diskussion mit Stefan Ehinger (ZVEH), Adalbert Neumann (ABB AG – Busch-Jaeger), Sabine Busse (CEO Hager), Claudia Polik (Paul Müller Elektrotechnik) und Nicole Steuer (Rexel). Die Runde diskutierte über den Status quo der Branche, über Barrieren und darüber, warum Diversität auch wirtschaftlich relevant ist. Sabine Busse betonte die enorme Bedeutung der Branche für die Zukunft. "Es ist eine Branche, ohne die es nicht funktioniert – ohne Elektrizität und Energie gibt es kein modernes Leben", sagte sie und verwies auf die Chancen durch Elektrifizierung und Digitalisierung. Adalbert Neumann hob hervor, dass vielfältige Teams auch innovationsstärker sind. Erfahrungen im Unternehmen hätten gezeigt, dass gemischte Teams langfristig bessere Ergebnisse erzielen. "In dem Moment, in dem sie sich gefunden haben, waren die Ergebnisse innovativer, besser und schneller zu erreichen."

Ein zentrales Thema blieb der geringe Frauenanteil im Elektrohandwerk. Stefan Ehinger machte deutlich, wie groß das ungenutzte Potenzial ist. Zwar habe sich die Zahl weiblicher Auszubildender in den vergangenen Jahren verdoppelt, dennoch liege ihr Anteil bei nur rund drei Prozent. "Wenn wir so weitermachen, dauert es noch ziemlich lange, bis wir annähernd einen Ausgleich erreichen." Neben strukturellen Fragen ging es auch um die Bedeutung von Vorbildern. Nicole Steuer betonte, dass Frauen sichtbarer werden müssten – sowohl in Unternehmen als auch in der Öffentlichkeit. Nur so ließen sich junge Talente für technische Berufe gewinnen.

Frauen berichten aus ihrem Berufsalltag

Persönliche Einblicke gab anschließend die Spotlight-Session mit Nadine Petermann (ZVEI), Katja Schuster (Women in KNX), Christina Geier (ABB AG – Busch-Jaeger), Silke Dietz (UNI ELEKTRO), Jacqueline Swiencki und Lea Bultmann (Informationselektronikerin). Die Teilnehmerinnen berichteten von ihren unterschiedlichen Wegen in die Elektrobranche und von Erfahrungen im Berufsalltag.

Christina Geier schilderte, wie ein Praktikum sie für die Branche begeisterte. "In der Elektrobranche können wir die Welt verändern. Wir haben die Zukunft in der Hand", sagte sie. Gleichzeitig berichtete sie von Situationen, in denen ihre technische Kompetenz zunächst infrage gestellt wurde. Ähnliche Erfahrungen machte Lea Bultmann. Selbst nach erfolgreich abgeschlossener Arbeit werde ihre Fachlichkeit manchmal angezweifelt. "Nachdem die Anschlüsse fertig waren, hat mich der Kunde gefragt: Machen Sie das beruflich?"

Silke Dietz, heute Führungskraft im Elektrogroßhandel, beschrieb ihren Weg von der Ausbildung zur Vertriebsleiterin. Entscheidend sei gewesen, sich fachlich durchzusetzen und Vertrauen aufzubauen. "Mit Qualität kann man sich in der Branche durchsetzen", sagte sie.

Trotz dieser Erfahrungen überwog eine positive Botschaft. Viele Teilnehmerinnen berichteten von unterstützenden Kollegen, Mentoren und Netzwerken. Genau hier setzt die Initiative "ElektroHeldinnen" an. Sie will Frauen in der Branche verbinden, Erfahrungen teilen und jungen Talenten Orientierung geben.

Teilen
Anzeige
Weitere Artikel