Wie bleibt KNX als Standard der Gebäudeautomation zukunftsfähig? Darüber diskutierten Fachleute aus den Bereichen Systemintegration, Planung, Industrie und Forschung bei der Expertenrunde der Landesgruppe NRW der SmartHome Initiative Deutschland e.V. bei der CAB-IH in Kaarst.
Es wurde über neue Sicherheitsfunktionen, den weltweiten Einsatz von KNX IoT und über künstliche Intelligenz im Smart Home diskutiert. Ebenso offen sprachen die Teilnehmer darüber, warum sich der Standard am Markt immer noch zu wenig durchsetzt.
Langlebige Technik, gepflegte Daten
Clemens A. Brachtendorf, Architekt und KNX-Experte, zeigte am Beispiel eines KNX-Geräts aus dem Jahr 1993, wie lange die Technik zuverlässig funktioniert. Mit seiner Plattform thanknx.com verwaltet er Gebäudedaten und erstellt KNX-Datenreports für Kunden. Er hält drei Dinge für entscheidend: Funktionen gemeinsam mit den Nutzern prüfen, die Bedienung verständlich erklären und Erfahrungen aus dem Betrieb laufend auswerten. Seine Plattform konzentriert sich auf etablierte KNX-Produkte. Neue Geräte müssen bislang von Hand eingepflegt werden.
Interoperabilität als Kern, Sicherheit als Pflicht
Michael Critchfield, ETS-Produktmanager der KNX Association, nannte die Interoperabilität als größte Stärke des Standards: Mehr als 8.000 zertifizierte Produkte von über 500 Herstellern lassen sich in einem System verbinden. Mit KNX Secure kommen Authentifizierung und Verschlüsselung auf Telegramm- und IP-Ebene hinzu. Damit erfüllt KNX auch die neuen EU-Anforderungen. Die Funklösung KNX RF war anfangs auf Europa beschränkt. Mit KNX RF Multi wurde sie deutlich weiterentwickelt. KNX IoT soll den weltweiten Einsatz ermöglichen und neuen Herstellern den Einstieg erleichtern. Die Schwierigkeiten sprach Critchfield ebenfalls an. Architekten und Planer würden KNX häufig nicht empfehlen, weil ihnen der Standard zu wenig vertraut sei. Viele Hersteller, etwa von Wärmepumpen, verzichteten außerdem aus wirtschaftlichen Gründen auf eine KNX-Schnittstelle. Rückenwind erwartet er von den EU-Vorgaben zur Modernisierung älterer Gebäude.
KI-Agenten als nächster Schritt
Manfred Wojciechowski, Leiter der Smart Home Initiative, stellte vor, wie ein Smart Home künftig arbeiten könnte. Persönliche KI-Agenten, zum Beispiel auf dem Smartphone, kennen die Vorlieben ihrer Nutzer und stimmen sich mit dem Gebäude ab. Statt fest programmierter Abläufe deutet die KI Sensordaten und die jeweilige Situation. So soll sich das Gebäude an die Bedürfnisse der Bewohner anpassen. Dieses Thema soll bei der nächsten Expertenrunde vertieft werden, die gemeinsam mit der Digitalen Stadt Düsseldorf an der Hochschule Düsseldorf stattfindet.
Praxisbeispiele und Aufklärung gefordert
In der anschließenden Diskussion wurde berichtet, dass KNX Deutschland an Praxisbeispielen (Showcases) arbeitet, die den Nutzen der Gebäudeautomation greifbar machen sollen. Architekten und technische Planer sollen früher in KNX-Projekte eingebunden werden. Das Ergebnis der Runde: KNX ist technisch solide aufgestellt und mit KNX Secure gut abgesichert. Damit der Standard am Markt stärker ankommt, braucht es nach Ansicht der Teilnehmer Praxisbeispiele, bessere Aufklärung und KI-gestützte Lösungen.
Fotos: BUS/SYSTEME








